Wahrheit und Wirklichkeit

Es mag manchmal den Anschein erwecken, dass die Mehrzahl der Menschen im Unrecht ist, während wenige einzelne die “Weisheit gepachtet haben” wollen. Nur ist die Wirklichkeit nun nicht gar so einfach gestrickt, als dass wir an dieser Stelle in Schwarz/Weiss-Denken verfallen könnten oder sollten. Vielmehr wäre es wünschenswert, sich gerade darüber einmal Gedanken zu machen.

Die Sache mit der Wahrheit gibt sich ein wenig verzwickt. Beansprucht nicht eine jede Wahrheit, objektives Abbild der Wirklichkeit zu sein oder zumindest eine gültige Naturgesetzmäßigkeit zu beschreiben? Und sind wir nicht schon längst daran gewohnt, die Welt mehr oder weniger gemäß konstruktivistischer Wirklichkeitsparadigmen zu betrachten?

Somit wäre eine “glatte Lüge” (ohne Vorsatz) nicht mehr als eine Fehlleistung der subjektiven Wahrnehmung. Und damit schon gar nicht mehr so schlimm, denn woher weiss man, wie die Welt wirklich aussieht, also ist ja ohnehin jede Zuschreibung mehr oder weniger eine Konstruktion und damit potentiell mit dem Vorwurf der Lüge, richtiger des Mangels, behaftet.

Von einem solipsistischen Standpunkt aus betrachtet, braucht uns das also nicht weiter zu beschäftigen. Wir könnten munter drauf los plappern, der andere versteht ja ohnehin was wir sagen wollen. Oder auch nicht, dann kann es uns egal sein.

Problematisch wird diese Form der Kommunikation nach meinem Dafürhalten, an der Stelle, wo kein Diskurs mehr über die Wirklichkeit statt findet. Und hier möchte ich auch zum Punkt kommen: Eine glatte Lüge, vorbeikonstruiert an der Wirklichkeit oder Gerüchte und Versuche mit dem Ziel ein Feindbild zu konstruieren sind nicht die beste Ausgangsbasis für einen förderlichen Diskurs.

Und gerade hier möchte ich alle Bildungsstreiker dazu auffordern, ihren Verstand zu gebrauchen. Informationsquellen zu hinterfragen, weitere Stimmen einzuholen. Nicht blind einem Feindbild hinterher zu rennen oder in Aktionismus zu verfallen.

Wer Bildung postuliert, folgt einer Vision. Und diese Vision kann meines Erachtens nur eine sein, die sich Wahrheit und Wirklichkeit verpflichtet fühlt, die ewige eigene Unwissenheit anerkennt, und bereit ist, darüber hinaus zu gehen und denken.

Aber vielleicht war auch alles nur ein Missverständnis. Menschen tendieren bekanntlich dazu, zu hören, was sie gerade hören möchten. Und das gelingt umso besser, je bequemer man in der Komfortzone der eigenen Wirklichkeit und Ideologie verweilt und die Ohren gegen störende Einflüsse verschließt.

Vielleicht muss auch erst das System brennen, bevor es sich ändert. Vielleicht aber auch nicht, vielleicht liegt das Problem wo ganz anders.

Mich würde Interessieren, was andere zu diesen Gedanken meinen und freue mich über eure Kommentare.

Beste Grüße
Tino

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4 Responses to "Wahrheit und Wirklichkeit"

  • Michael Gans says:
  • Dano says:
  • ekirlu says:
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